Das Phänomen „KADER“ bedeutet: Schicksal, Fügung, Vorbestimmung

 

Von August 2004 bis November 2007 habe ich 86 Personen zum Thema KADER befragt.

 

Nach islamischem Glauben wird bereits im Mutterleib das Schicksal einem jeden Menschen auf seine Stirn geschrieben. Das Schicksal ist von Gott auf diesen Menschen abgestimmt und nicht veränderbar. So kann niemand seinem „KADER“, dem Schicksal, ausweichen und es kommt so, wie es vorgeschrieben ist.

Der Glaube an „Kader“ bedeutet, dass alles, was den Menschen trifft, ob „gut“ oder „böse“, von Gott kommt und allein in Gottes Wissen und Macht liegt. Dies wird im Allgemeinen als Vorherbestimmungdurch Gott ausgelegt.

Der Umgang mit Schicksalsschlägen hat immer einen religiös und kulturell geprägten Charakter und wird individuell ausgelebt. Es wird als Gotteslästerung angesehen, wenn man nach Krankheiten, Unglück, Katastrophen, Tod oder Unheil hadert und Gott fragt: „Weshalb ich, warum diese Menschen, wieso das alles?“

In der täglichen Behandlung und Pflege der von uns betreuten Patienten stoßen wir des öfteren auf unsere Grenzen bei der Durchführung der medizinischen Versorgung. Die Angehörigen wollen den Patienten ohne fremde Hilfe pflegen, weil es ihr „Kader“ (Schicksal) ist, sich um den Kranken in der Familie zu kümmern. Therapien oder medikamentöse Behandlungen werden zum Teil abgelehnt, weil man sich seinem Schicksal beugen muss.

 

Überarbeitet am 10.09.2010 von Nare Yesilyurt-Karakurt

Überarbeitet am 10.07.2014, Dr. Frank Beckmann