Das besondere Pflegeangebot von Deta-Med

 

Die in der deutschen Krankenpflegeschulen erlernte Körperpflege kann bei Deta-Med nicht einfach umgesetzen werden. Die Muslime empfinden das Waschen mit Hilfe der Waschschüssel als sehr unhygienisch und unrein. Es ist für Muslime nicht tragbar, dass man seinen Ober- und Unterkörper mit dem gleichen Wasser wäscht, da man sich somit im „eigenen Schmutz“ wäscht. Angrunddessen lehnen diese, das Waschen mit der Waschschüssel ab.

Wir pflegen den Patienten als individuellen Menschen, ohne seinen spezifischen kulturellen, sozialen, biographischen und gesellschaftlichen Hintergrund zu vernachlässigen. Berücksichtigt werden auch die Esskultur und die Medikamentengabe an besonderen religiösen Tagen oder Monaten. Diesbezüglich wird das Pflegepersonal von mir intern weitergebildet und zertifiziert.  Bei den türkischen Migranten/innen handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe von Menschen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Anliegen.

Dementsprechend gibt es Defizite und Schwierigkeiten in der Gestaltung mit Aufgaben der Pflege. Die Pflegekraft soll sowohl sprachlich als auch kulturell Verständnis für die Lebenserfahrungen des Patienten aufbringen. Dieses Verständnis soll in die Pflegeplanung und die Pflegeumsetzung Eingang finden.

Kulturspezifische Pflege ist individuelle Pflege: Der Patient muss als Ganzes gesehen werden, er darf nicht nur auf seine Krankheit bezogen behandelt werden. Es reicht nicht aus, Personal zu haben, welches die gleiche Sprache spricht oder aus dem gleichen Herkunftsland des Patienten kommt (z.B. leben in der Türkei auch nicht nur Türken und Moslems).

Die Körperpflege der Moslems ist sehr zeitaufwändig und umfangreich, weil ein Vers im Koran besagt: „Körperhygiene darf nur unter fließendem Wasser stattfinden“. Weiterhin müssen alle Körperöffnungen mit Wasser ausgespült werden. Der dadurch entstehende zusätzliche Zeitaufwand bei der kulturspezifischen Pflege wird von den Kostenträgern nicht berücksichtigt.

Auch die Ehre spielt  bei der Körperpflege des Patienten eine große Rolle. Die Ehre ist das eigene Ansehen in den Augen Anderer, es ist geprägt durch kulturelle und religiöse Sitten. Der Mann ist verantwortlich für die Ehre seiner Familie, insbesondere der weiblichen Familienmitglieder. Die Versorgung und Pflege der Eltern im Alter und Krankheit ist mit in die Ehre eingebunden. Ein fremder Mann (KRANKENPFLEGER) darf die Wohnung nicht betreten, wenn die Frau allein in der Wohnung ist, auch wenn der zu Pflegende ein Kind (JUNGE) ist. Das kann zu Schande und sozialer Isolation führen.

Ein wichtiger Teil der Ehre ist das Schamgefühl. Deshalb lassen wir es zu, dass unsere Patienten beim Baden ihre Unterhosen anbehalten. Es ist eine Schande und Sünde, die Körperpflege durch das andere Geschlecht durchführen zu lassen, insbesondere bei der Frau.

 

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16.06.2010 Dipl. Päd. Nare Yesilyurt

Überarbeitet am 11.07.2014, Dr. Frank Beckmann