Der islamische Ehevertrag verpflichtet den Ehemann dazu, alleine für den Unterhalt seiner Familie aufzukommen. Er vertritt die Familie nach außen und trifft anstehende Entscheidungen zum Wohnort, zum Schulbesuch der Tochter, zur Beschneidung des Sohnes usw. Die Ehefrau ist für die Erziehung der Kinder, das Wohlbefinden des Ehemannes und die Führung des Haushaltes zuständig.

Angemessenes, respektvolles Verhalten gegenüber den Eltern, Älteren und Männern, Zurückhaltung im Umgang mit dem anderen Geschlecht und die Wahrung eines untadeligen Rufes für Mädchen und Frauen gehören ebenfalls zu den grundlegenden Erziehungsidealen im Islam, für deren Einhaltung der Mann verantwortlich ist.

In den ländlichen Gebieten ist das Gemeinschafts- und Gesellschaftsdenken ausgeprägter als das individuelle Handeln und Denken. Deshalb muss jede(r) Einzelne seiner/ihrer Rolle, die ihm bzw. ihr durch das eigene Geschlecht zugeschrieben ist, gerecht werden. Diese Rolle ist exakt auf beide Geschlechter und deren Verhaltensweisen zugeschnitten. Die Züchtigung der Mädchen und Frauen bildet darin einen festen Bestandteil.

 

Gegenüber der Frau besitzt der Mann mehr Privilegien im Erbrecht, Zeugenrecht, Eherecht, Scheidungsrecht und Sorgerecht für die Kinder.

 

Mädchen werden in der islamischen Welt früh auf ihre spätere Rolle als Hausfrau und Mutter hin erzogen. Diese Erziehung hat Vorrang gegenüber der Bildung der Mädchen. Sie müssen in der Regel schon in jungen Jahren Haushaltspflichten übernehmen und sind meistens vor der Pubertät in der Lage, die Mutter im Haushalt zu vertreten.

Der Grund dafür ist, dass Mädchen mit Eintritt der Regelblutung zumindest im ländlichen Bereich prinzipiell als heiratsfähig gelten. Ab diesem Moment stehen sie unter der Kontrolle der männlichen Familienmitglieder, weil die Bewahrung der Keuschheit bis zur Ehe das oberste Gebot der Ehre der Familie ist. Den Mädchen wird die Gehorsamkeitspflicht gegenüber dem männlichen Geschlecht früh vermittelt.

 

01.06.2011 Überarbeitet Nare Yesilyurt

Überarbeitet am 12.07.2014, Dr. Frank Beckmann