Großer Wert wird darauf gelegt, dass die Sterbenden im eigenen Haus und Bett sterben.Deshalb sollten sie nach der medizinischen Versorgung im Krankenhaus so bald wie möglich nach Hause entlassen werden.

 

Ein/e Sterbende/r ist weiterhin ein volles Mitglied der Gesellschaft und der Familie und ihm/ihr wird während der Finalphase besondere Aufmerksamkeit zuteil. Ebenso werden ihm/ihr alle Verpflichtungen abgenommen, soweit der/die Sterbende keine Einwände dagegen erhebt. Seine/ihre Wünsche werden erfragt und erfüllt. Der letzte Wille eines/einer Sterbenden ist sehr wichtig, enge Familienmitglieder nehmen diesen Willen als eine selbstverständliche Verpflichtung an. In der Regel werden die Wünsche auch nach dem Tod des Menschen eingehalten.

 

Der Beistand von Familienangehörigen, Bekannten, Verwandten und Freunden ist in Zeiten schwerer Krankheiten eine moralische Verpflichtung. Damit jeder Moslem, der im Sterben liegt, mit einem ruhigen Gewissen zu Gott kommen kann, verträgt er sich mit allen und bittet alle um Verzeihung. Auch der Sterbende selbst wird um Verzeihung gebeten.

Für die Verpflegung und Körperpflege sind die Familienangehörigen ersten Grades zuständig. Ist kein Familienmitglied da oder kommt es seinen Pflichten nicht nach, wird die Aufgabe von Nachbarn oder vom Pflegedienst übernommen.

Die Reinhaltung des Körpers ist die Vorraussetzung für die Reinhaltung der Seele. Dies ist eine Pflicht für jeden Moslem, Unreinheit gilt als Sünde, stößt in der Gesellschaft auf Ablehnung und wird nicht toleriert.

 

Ein/e Sterbende/r darf nicht allein sein und nicht dürstend sterben, deshalb soll man ihm bzw. ihr während der Sterbephase tröpfchenweise Wasser in den Mund geben. Mit Sterbenden spricht man nicht über den Tod, man leistet Beistand und liest Verse aus dem Koran.

Dem sterbenden Menschen wird im Moment des Todes ein Gelehrter des Islams oder ein Mitglied der Familie, das ihm bzw. ihr am nächsten steht, zugeführt, damit diese Person den sterbenden Menschen an Gott, an das Bittgebet zur Vergebung seiner Sünden und an das Testament erinnere. Es soll aus den Koran die Sure YASIN rezitiert werden. Der/die Sterbende wird an das Glaubensbekenntnis erinnert: „Es gibt einen Gott, Muhammad ist sein Prophet.“ Man sollte ihn/sie aber nicht dazu zwingen, denn der Respekt gegenüber dem/der Sterbenden und die Ruhe müssen beachtet werden. Nach dem Eintritt des Todes soll die Rezitation des Korans enden.

 

Aus Glaubensgründen sollte man sich mit der Vorbereitung der Bestattung beeilen. Nach dem muslimischen Glauben ist es eine Respektlosigkeit gegenüber dem Toten und eine Sünde, wenn die Bestattung nicht am selben Tag oder am darauffolgendem Tag erfolgt.

 

Selbstverständlich gibt es auch unter den Moslems Personen, die andere Meinungen zur Sterbebegleitung haben. Deshalb bitte ich Sie, meine Texte nicht zu verallgemeinern. Wir befragen jeden einzelnen Patienten oder deren Angehörige, wie wir die Sterbebegleitung durchführen sollen.

 

 

Am 19.08.2010 Überarbeitet Nare Yesilyurt-Karakurt

Überarbeitet am 11.07.2014, Dr. Frank Beckmann