Der Begriff der Pflegebedürftigkeit wird in § 14 SGB XI beschrieben.

Der Schwerpunkt bei der ab 2017 geltenden Einordnung in einen bestimmten Pflegegrade liegt darauf, wie selbstständig der betroffene Patient bei der Bewältigung seines Alltags ist. Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Gutachter Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten in den nachfolgenden sechs Bereichen (Modulen) feststellt:

  1. Mobilität
    (z. B. Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen etc.)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    (z. B. örtliche und zeitliche Orientierung etc.)
  3. Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen
    (z. B. nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und aggressives Verhalten)
  4. Selbstversorgung
    (z. B. Körperpflege, Ernährung etc. –  Hierunter wurde bisher die „Grundpflege“ verstanden)
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    (z. B. Medikation, Wundversorgung, Arztbesuche, Therapieeinhaltung)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    (z. B. Gestaltung des Tagesablaufs)

 

Bei der neuen Einordnung spielen die bisherigen Zeiten für die Pflege keine Rolle mehr. Vielmehr geht es in der Regel um die Frage, ob die erforderliche Fähigkeit beim Betroffenen noch vorhanden ist und ob damit verbundene Tätigkeiten selbstständig, teilweise selbstständig oder nur unselbstständig ausgeübt werden können.

Bei der anschließenden Bestimmung des Pflegegrades zählt nicht jedes Modul gleich viel: Die Grade der Selbständigkeit werden gewichtet. Daraus errechnet sich dann der endgültige Pflegegrad für den Patienten.

Wichtig: Die Einordnung in einen Pflegegrad ist nur für neue Patienten und Betroffene ab dem 1. Januar 2017 ein Thema. Wer bis Ende 2016 schon eine Pflegestufe hatte, wird automatisch in das neue System überführt.

 

Wie wird Pflegebedürftigkeit festgestellt?

Die Pflegebedürftigkeit wird im Rahmen eines Hausbesuchs vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) festgestellt. Der Gutachter stellt bei diesem Besuch fest, wie selbstständig der Pflegebedürftige noch ist, welche Fähigkeiten er noch hat und in welchem Umfang er in seinem Alltag  personelle Unterstützung benötigt.

Der MDK-Gutachter sucht den Betroffenen zu Hause auf, um ein möglichst realistisches Bild von der Lebenssituation des Pflegebedürftigen zu bekommen. Für den Besuch erhält der Betroffene einen Terminvorschlag. Es ist günstig, wenn bei diesem Besuch auch eine Vertrauensperson anwesend ist. Das Gutachten, auf dessen Grundlagen die Pflegekasse den Pflegegrad festlegt, wird nach dem Besuch erstellt. Der Antragsteller bekommt dann das Gutachten und die Mitteilung über den ggf. festgestellten Pflegegrad zugesandt.

 

Was sind die Vorteile der ambulanten Versorgung nach SGB V und SGB XI?

  • Sie bleiben in ihrem gewohnten Umfeld und leben nach wie vor im eigenen Haushalt.
  • Sie erhalten eine Einzelversorgung wie ein Privatpatient.
  • Der Familienzusammenhalt bleibt erhalten und wird sogar gefördert, weil alle Familienmitglieder durch die pflegerische Unterstützung entlastet werden.
  • Der Heilungsprozess wird durch die professionelle Pflege verbessert.
  • Die Lebensqualität wird verbessert.
  • Die ambulante Pflege ist kostengünstiger als ein stationärer Aufenthalt in einer Einrichtung
  • Pflegende Angehörige werden entlastet und lernen dazu.
  • Von Beginn bis Ende der Erkrankung ist die Versorgung gesichert.